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Interview

Im Gespräch mit Alisa Menkhaus von Susumu Ai

Japanisches Handwerk trifft auf europäischen Zeitgeist, das ist Susumu Ai.

Die Geschwister Alisa und Keiho Menkhaus, sind die Geschäftsführer:innen des Labels und vereinen ihre eignen kulturellen Wurzeln in ihren Kreationen. Mit ihren Designs interpretieren sie traditionell japanische Stoffe neu und legen zudem großen Wert auf Nachhaltigkeit.

In diesem Interview möchten wir unser Mitglied Susumu Ai vorstellen und gehen in einem Gespräch mit Alisa genauer auf die Besonderheiten der Kleidungsstücke, Materialien, Fertigungsprozesse, Konzepte und die Philosophie ihres Unternehmens ein.

FCG: Als bikulturelle Personen spielt die Frage nach Zugehörigkeit eine große Rolle und wird von Außenstehenden oft gestellt.

Wie ausschlaggebend ist dieses Thema in Hinblick auf euer Unternehmen?

Alisa: Wir sind sowohl mit japanischen als auch mit deutschen Wurzeln aufgewachsen und wurden in beiden Ländern immer als Ausländer:innen wahrgenommen.

Oft werden wir gefragt: "Fühlt ihr euch eher deutsch oder japanisch? Wo fühlt ihr euch wohler, in Japan oder Deutschland?" Um diese Frage zu beantworten, haben wir lange versucht, eine ehrliche Antwort darauf zu finden, was unseren Charakter und unsere Persönlichkeit am meisten geprägt hat und wie wir uns mit den zwei Kulturen am besten identifizieren können.

Unsere Antwort lautet: "Wir sind, was wir erschaffen. Wir sind SUSUMU AI.“

SUSUMU AI = continuous love

 

FCG: Warum habt ihr euch für den Sitz und die Produktionsstätte eures Labels, Berlin ausgesucht?

Alisa: Wir sind in Tokyo geboren und aufgewachsen, sind 2001 mit der Familie nach Deutschland gezogen und haben die andere Seite unserer Herkunft kennenlernen dürfen. Allerdings sind wir nach unserer Zeit in der Metropole Tokyo, in ein sehr kleines Dorf namens Goßfelden bei Marburg gezogen. Nachdem wir unseren Kulturschock – welcher jedoch keinesfalls negativ zu bewerten ist – halbwegs verarbeitet hatten, wurde uns dort eine ganz andere Art von Kind sein und Freiheit bekannt.

Unmittelbar nach meinem Abitur ging ich (Alisa) jedoch zurück nach Tokyo und begann ein Praktikum bei Roberto Cavalli Japan, wo ich ein Jahr blieb. Danach entschied ich mich, die deutsche Hauptstadt kennenzulernen und dort an der Esmod Berlin Modedesign zu studieren. Kurz nach meinem Start entschloss sich dann auch mein Bruder für ein Studium in Berlin, im Studiengang International Business. Wir sind ja bekanntlich unzertrennlich – das hatte sich wohl zu der Zeit schon bemerkbar gemacht.

Mit Beginn unserer jeweiligen Studien haben wir uns beide auf verschiedenste Art und Weise in Berlin verliebt und uns hier unser neues Zuhause aufgebaut. Berlin ist jung, dynamisch und aufregend. Wir fühlen uns zum ersten Mal nicht als Ausländer, sondern als Teil der Stadt. Hier werden wir akzeptiert, so wie wir sind – unabhängig davon, wie wir aussehen. Für mich als Designerin ist Berlin auch sehr inspirierend. Tag für Tag lernt man Menschen, Kulturen und Perspektiven kennen, die anregen und motivieren.

 

FCG: Was sind die Besonderheiten des von euch verwendeten Materials und des Fertigungsprozesses der Kleidungsstücke?

Alisa: Alle unsere Stoffe werden ausschließlich in traditionellen Stoffproduktionen in Japan hergestellt und von dort geliefert. „Chirimen“ – so lautet der Name dieser besonderen Stoffe auf Japanisch – wird und kann nur in Japan hergestellt werden. Des Weiteren wird er eigentlich nur für japanische Traditionsware verwendet, wie zum Beispiel für den Kimono. Wir verarbeiten ihn dann allerdings in unserem Atelier in Berlin zu unseren traditionell inspirierten und doch modernen Kleidungsstücken.

In den Kleidungsstücken von SUSUMU AI treffen traditionell japanische Stoffe und Kimono-Schnittmuster, die in der heutigen Mode kaum noch verwendet werden, auf den europäischen Zeitgeist. Dies verleiht dem außergewöhnlichen Design von SUSUMU AI einen einzigartigen Charakter. Die besonderen und durchdachten Schnittmuster sowie Designdetails kaschieren und betonen gleichermaßen die Figur der Frau, ohne im Alltag zu sexy zu wirken.

 

Unsere Produkte sind „made in Germany“ und werden größtenteils auf Bestellung, also „made to order“ hergestellt. Dadurch können wir einerseits Maßanfertigungen ermöglichen und uns zudem von Massenware differenzieren. Damit möchten wir einzelnen Kleidungsstücken wieder eine höhere Bedeutung zuschreiben und deren Langlebigkeit fördern. Deshalb legen wir auch besonderen Wert auf hochwertige Verarbeitung.

 

FCG: Könntet ihr kurz darauf eingehen, wie eure Beziehung zu eurem Großvater mit der Philosophie und der Namensgebung eures Labels zusammenhängt?

Alisa: SUSUMU AI hat einen starken familiären Hintergrund. Die direkte Übersetzung lautet „fortschreitende Liebe“. Diese hat eine ganz besondere Bedeutung für das Unternehmen und unser gesamtes Team, da wir an eine Liebe glauben, die sich über Zeit und Ort hinaus erstreckt.

Für mich und meinem Bruder Keiho hat der Name zudem eine noch intensivere Bedeutung. Denn SUSUMU (進) ist der Vorname unseres japanischen Großvaters. Es ist eine Hommage an ihn, dessen ständige Motivation und Liebe, auch über sein Ableben hinaus, der Marke Leben einhaucht. Die zweite Silbe AI (愛) ist der erste Buchstabe von meinem Namen in japanischer Sprache, was wiederum „Liebe“ bedeutet. Dies spiegelt sich auch im Logo der Marke wider – es ist das Familienwappen unseres Großvaters.  

SUSUMU AI ist der Ausdruck von fortwährender Familienliebe. Es sind die Hingabe zum Detail, das Wahren des japanischen Handwerks, die Liebe zu unserem Großvater und unsere Vision, die SUSUMU AI zum Leben erwecken.

 

FCG: Mit der Bedeutung des Label-Namens, Susumu Ai und der starken Inspiration durch euren Großvater, war es nur eine Frage der Zeit eine Bridal Kollektion zu entwickeln, oder? Was waren eure Motivationen diesen Schritt letztendlich zu gehen?

Alisa: Ganz im Sinne unseres Namens und unserer Historie spielen Liebe und Familie für SUSUMU AI, wie bereits erwähnt, eine besondere Rolle. Umso weniger verwunderlich ist es, dass der Gedanke an eine Bridal Kollektion schon etwas länger in uns schlummerte.

Die Corona Situation hat dem Thema dann allerdings einen besonderen Schub gegeben. Einerseits haben wir in diesem Zuge unseren Online Shop gelauncht und unser Sortiment, das sich bisher ausschließlich auf Women‘s Wear beschränkte, um weitere Produktkategorien erweitert. Unser SUSUMU AI „Universe“, wenn man es so nennen möchte, erstreckt sich daher mittlerweile über Women’s, Kid’s sowie Men’s Wear und eben die Bridal Kollektion. Letztere wurde sogar proaktiv von unseren Kunden nachgefragt, als wir noch ganz am Anfang unserer Planungen waren.

Ein weiterer nennenswerter Treiber – auch im Zuge der Pandemie ­– ist der Aspekt des Feierns. Wir alle vermissen die besonderen Anlässe im Kreise unserer Liebsten. Um diese Sehnsucht zu stillen und uns mental aufbessere Zeiten mit vielen besonderen Momenten einzustimmen, haben wir dann schlussendlich unsere Bridal Stücke umgesetzt.

 

FCG: Könntet ihr eure Made to Measure Bridal Collection kurz beschreiben? Was hat euch inspiriert und welche sind ihre besonderen Eigenschaften?

Alisa: Eine der wesentlichen Inspirationen oder gar Motivationen war der Aspekt der Nutzungsanlässe. Es wäre schade und nahezu eine Verschwendung, wenn Hochzeitskleider nur einmal getragen und nach diesem einen Tag einfach im Schrank verstauben würden. Deshalb haben wir uns entschlossen, nicht nur die Möglichkeit zu bieten, unsere Brautkleider zu verleihen, sondern sie auch so zu gestalten, dass sie alltagstauglicher, aber dennoch ganz besonders sind.

Einerseits steigert dies die möglichen Trageanlässe, zu denen der Hochzeitslook auch nach der Trauung noch passend ist. Zudem resultieren daraus aber auch vielfältigere Möglichkeiten zur Kombination mit anderen Stücken aus der eigenen Garderobe, was sich wiederum natürlich auch positiv auf die Anlässe auswirkt.

Letztlich fördert dies nicht nur die Nachhaltigkeit, sondern erinnert die Trägerin noch öfter an diesen wunderbaren und einzigartigen Tag.

Um diesem Anspruch gerecht zu werden, sind die Stücke aus unserer Bridal Kollektion daher zu einem gewissen Grad minimalistisch, modern und alltagstauglich. Die japanischen Kimono Stoffe und besonderen Details verleihen ihnen dabei jedoch die entsprechende Eleganz und Raffinesse. Zudem achten wir selbstverständlich auf hochwertige Materialien und Verarbeitung, um deren Langlebigkeit zu gewährleisten.

Alle unsere Bridal Items sind made to order in unserem Atelier in Berlin, wodurch wir auch hier Maßanfertigungen anbieten können. Und das bereits innerhalb von 2 bis 3 Wochen.

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