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Interview

Einblicke in das Unternehmen Fashion for Good mit Katrin Ley

Fashion for Good ist ein auf vielen Ebenen agierendes Unternehmen, welches es sich zum Ziel gemacht hat die Modeindustrie nachhaltiger zu gestalten - zum Einen durch unterschiedlichste Weiterbildungsangebote um den  Übergang in eine nachhaltigere Modewelt zu fördern zum Anderen verbindet Fashion for Good vielversprechende Unternehmen und Start-ups, um ein Netzwerk aus Expert:innen dieser Branche zu bilden und durch interdisziplinäre Projekte innovative, nachhaltige Lösungen für die Zukunft zu finden.

Mehr zu den vielfältigen Ansätzen und Initiativen von Fashion for Good erfährst Du in einem Interview, das wir mit Katrin Ley (Managing Director) geführt haben.

FCG: Welche Maßnahmen habt ihr ergriffen, um zu einem nachhaltigeren Modebusiness beizutragen?

 

Fashion for Good: Fashion for Good ist die globale Initiative, die darauf abzielt, Mode 'gut' zu machen, d. h. eine zirkuläre Lieferkette zu integrieren, die alle Elemente vom Design bis zum Ende der Nutzung berücksichtigt. Die Herausforderung dies zu erreichen, wird durch Zusammenarbeit und Gemeinschaft ermöglicht. Das Herzstück von Fashion for Good ist unsere Innovationsplattform, auf der wir Innovative startups unterstützen und ihnen helfen, ihre Konzepte in der Mode-Lieferkette zu etablieren. Wir wählen die weltweit vielversprechendsten Start-ups aus und bringen sie in gemeinsamen Pilotprojekten großen Unternehmen zusammen. Fashion for Good unterstützt diese gemeinsamen Pilotprojekte tatkräftig und bietet Coachings, maßgeschneiderte Unterstützung bei der Mittelbeschaffung und in einigen Fällen auch finanzielle Unterstützung für die Hersteller durch den Good Fashion Fund.

In unserem Co-Working Space beherbergen wir die sogenannte  Circular Apparel Community - eine Gemeinschaft gleichgesinnter Organisationen und anderer Expert:innen mit dder geeinten Mission, die Modeindustrie nachhaltiger zu gestalten.

Das interaktive Fashion for Good Museum ist ein öffentlich zugängliches Museum, in dem wir Menschen aus der ganzen Welt inspirieren und über den Einfluss der Modeindustrie aufklären. Die Besucher:innen erfahren etwas über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft der Modeindustrie. Mit der digitalen Good Fashion Journey und einem RFID-Armband entdecken sie Wege im Alltag zu mehr Nachhaltigkeit beizutragen und sich zu engagieren, um etwas zu verändern. Wir veranstalten Workshops, zeigen Dokumentarfilme und halten Vorträge zu jedem Thema, um die Besucher:innen zu informieren, zu befähigen, den Good-Fashion-Gedanken in ihre Leben zu integrieren.

Außerdem bieten wir Bildungsmaterial an und entwickeln Toolkits, Papiere, Berichte, Leitfäden und andere Ressourcen, die wir auf unserer Website für alle zugänglich machen.

 

 

FCG: Ihr habt ein relativ neues Projekt gestartet, das sich mit einer neuen Methode des Baumwollanbaus befasst. Inwiefern waren die bisherigen Verfahren des Baumwollanbaus nicht nachhaltig und wie wollt ihr das mit eurem Projekt ändern?

Fashion for Good: Baumwolle macht fast 30 % der weltweiten Textilproduktion aus, ist jedoch für 24 % des weltweiten Insektizid Einsatzes verantwortlich und kann als wasserintensive Kulturpflanze bis zu 10.000 Liter Wasser pro Kilogramm verbrauchen. Mehr als 60 % der weltweiten Baumwollproduktion wird von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen erzeugt. Etwa 90 % dieser schätzungsweise 100 Millionen Kleinbauern und Kleinbäuerinnen leben in Entwicklungsländern und bauen die Pflanze auf weniger als zwei Hektar an. Bei schlechten Anbaumethoden kann Baumwolle zu einem übermäßigen Verbrauch von Wasser, Düngemitteln und Pestiziden beitragen. Innovative Anbaumethoden wie die Präzisionslandwirtschaft verbessern die Ressourceneffizienz und die Widerstandsfähigkeit des Baumwollanbaus und sind dringend erforderlich, um den Einsatz von Pestiziden, Land und Wasser zu reduzieren.

Fashion for Good hat in Zusammenarbeit mit den führenden Marken Kering und PVH Corp., sowie dem weltweit führenden Textilhersteller Arvind Limited ein zweijähriges Pilotprojekt gestartet, um eine radikal ressourceneffiziente Baumwollanbautechnologie des Fashion for Good-Innovators Materra (ehemals hydroCotton) zu testen. Materras innovative Kombination aus Präzisionslandwirtschaft, Umweltkontrolle und Echtzeit Datenverfolgung in Echtzeit erleichtert den Baumwollanbau in Entwicklungsregionen, in denen Klima und Ressourcen eine Herausforderung für den Baumwollanbau darstellen. Materras Ansatz für den Baumwollanbau kombiniert Präzisionslandwirtschaft und kontrollierte Umgebungen, um radikal ressourceneffiziente Baumwollbetriebe zu schaffen. Effiziente Bewässerung, die übermäßige Wasserverluste verhindert, liefert landwirtschaftliche Betriebsmittel direkt an das Wurzelsystem der Pflanze, wo sie effizient aufgenommen werden können, und ist pestizidfrei, wobei biologische Schädlingsbekämpfung eingesetzt wird. Die Anbaugebiete sind mit einem Netz intelligenter Sensoren ausgestattet, welche Daten in Echtzeit erfassen und so eine bessere ökologische und soziale Absicherung gewährleisten.

 

 

FCG: Ihr sprecht davon, dass Biobasierte Materialien die Zukunft sind, um synthetische Materialien zu ersetzen, und dies scheint derzeit einer Ihrer Schwerpunkte zu sein. Könntest Du bitte näher auf die Initiativen und Maßnahmen eingehen, die ihr in dieser Hinsicht ergreift, und erklären, warum dies die Zukunft der Mode sein könnte?

Fashion for Good: Biobasierte Materialien sind natürliche Materialien, also Materialien, die biologischen Ursprungs und ganz oder teilweise von lebenden Organismen stammen. Unsere aktuelle Ausstellung GROW zeigt den aktuellen Stand sowie die Zukunft dieser Materialien. Weil es Zeit braucht, bis solche Technologien skalierbar und marktreif sind, haben wir das GROW-Talentprojekt ins Leben gerufen, ein dreimonatiges Programm, bei dem junge Designer:innen mit Biomaterialien arbeiten, um Kleidungsstücke der Zukunft zu entwerfen. Diese Kleidungsstücke werden in der Ausstellung GROW 2.0 präsentiert, die im Oktober 2021 eröffnet wird.

Dies ist tatsächlich erst der Anfang der Materialien der nächsten Generation, die sich in den nächsten Jahrzehnten entfalten wird. Biologisch hergestellte oder biologisch zusammengesetzte Materialien können als Ersatz für bestehende Materialien wie Polyester, Nylon oder Leder verwendet werden. Unternehmen wie AMSilk, Bolt Threads, Ecovative, Modern Meadow, MycoWorks, Spiber usw. stehen für eine neue Generation von Materialinnovationen, die Fachwissen in den Bereichen Organismusdesign (GVO) und -technik, Fermentation und Textilien sowie Materialwissenschaft miteinander verbinden. Eine solche Zusammenführung von Disziplinen wäre früher nur von großen Chemiekonzernen möglich gewesen.

Das Versprechen dieser Technologien besteht darin, dass die gestaltete Biologie den Zugang zu allen Vorteilen der Leistung, Ästhetik und des Komforts der Natur und darüber hinaus ermöglicht, jedoch ohne denselben ökologischen Fußabdruck. Die Nachfrage nach neuen Biowerkstoffinnovationen übersteigt derzeit massiv das Angebot.

Einige unserer jüngsten Pilotprojekte befassen sich mit dem Potenzial dieser neuen Technologien; das "Renewable Carbon Textiles Project" beispielsweise ist ein Konsortium zur Förderung der Entwicklung von Polyhydroxyalkanoaten oder PHA-Polymerfasern, einer vielversprechenden biosynthetischen Alternative zu Fasern auf fossiler Basis, die das Potenzial hat, die Kohlenstoffemissionen in der Mode-Lieferkette zu verringern.

 

 

FCG: Glaubst Du, dass die Pandemie neben all ihren negativen Aspekten auch dazu beigetragen hat, dass die Menschen ein besseres Verständnis für Nachhaltigkeit entwickeln? Habt ihr ein gesteigertes Interesse an nachhaltiger Mode sowohl aus Sicht der Hersteller als auch der Verbraucher festgestellt?

Fashion for Good: Nachhaltige Innovationen haben gerade in schwierigen Zeiten immer wieder bewiesen, wie wichtig sie sind, um den normalen Geschäftsbetrieb wiederzubeleben und die Unternehmensziele zu unterstützen. Wir sehen vielversprechende Anzeichen, die auf ein strukturelles Umdenken der Modebranche hindeuten. Die derzeitige Situation bietet die Gelegenheit, Ansätze neu zu bewerten und positive Veränderungen voranzutreiben, die bereits in Gang gekommen sind, z. B. in den Bereichen Logistik und Transport. Immer mehr Branchenführer:innen erkennen die dringende Notwendigkeit verantwortungsbewusster Praktiken, wie sie von Verbraucher:innen und Investor:innen gefordert werden und wie der regulatorische Druck wächst.

Deutliche Anzeichen für ein Umdenken der Verbraucher:innen waren schon vor der Panndemie erkennbar. Die renommierte Trendforscherin Li Edelkoort sprach von einer "Quarantäne des Konsums", die tiefgreifende kulturelle und wirtschaftliche Auswirkungen hat. So könnten sich die Erwartungen an zweckorientiertes, nachhaltiges Handeln und der Widerstand gegen verschwenderische Geschäftsmodelle beschleunigen.

Wir sehen, dass die Verbraucher:innen zunehmend Marken zur Verantwortung ziehen und Fragen stellen, wie und von wem ihre Kleidung hergestellt wurde. 90 % der Verbraucher:innen der Generation Z geben an, dass sie Veränderungen vorgenommen haben, um ihr tägliches Leben nachhaltiger zu gestalten. Marken, die in der Lage sind, innovativ zu sein und zu nachhaltigeren Praktiken und Geschäftsmodellen überzugehen, werden in der Lage sein, ein informiertes Publikum anzusprechen und für sich zu gewinnen.

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